Martin-Pollich-Gymnasium Mellrichstadt

Naturwissenschaftlich-technologisches und Musisches Gymnasium

 Unsere Streicher

Es war nicht gerade ein ausgesprochenes Weihnachtskonzert, mit dem das Streichorchester des Martin-Pollich-Gymnasiums am vergangenen Donnerstag seine zahlreichen Besucher erfreute; aber festlich war es doch, und mit einem Beitrag, nämlich der „Weihnachtshymne“ von Felix-Mendelssohn-Bartholdy, hatte das Programm dann doch einen klaren Bezug zu Weihnachten. Gemessen am Ausbildungsstand der jungen Musikanten war dieses Programm ehrgeizig, doch die Leiterin des Orchesters Magdalena Schmid-Schindler hatte mit ihren Schützlingen ganz offensichtlich Talente gefördert und enorme Fortschritte gemacht. So konnten sich die jungen Künstler an so große Komponisten wagen wie Telemann, Schultze, Mendelssohn-Bartholdy, Squire, Bach und Vivaldi.

Der stellvertretende Schulleiter Stefan Wintersteiner hatte in der Schulaula die Gäste humorvoll begrüßt, unter ihnen aktive und ehemalige Kollegen, besonders auch Friedrich Steigerwald, den Vorgänger des jetzigen Schulleiters Robert Jäger (der sich wegen anderer Verpflichtungen entschuldigen ließ). Frau Schmid-Schindler moderierte dann souverän und mit Heiterkeit durch das Programm. Die drei Schüler Philipp Hoch, Andreas Hiby und Ella Zirk gaben mit Frau Schmid-Schindler zusammen den Auftakt und spielten das Konzert in C-Dur für vier Geigen von Georg Philipp Telemann (1681 – 1767). Das war ein Stück, das bereits eine deutliche Herausforderung für die Schüler bedeutete, der sie sich angemessen stellten. Das nachfolgende Konzert in drei Sätzen für Altblockflöte und Streicher in G-Dur von Johann Christoph Schultze (1733 – 1813) bedeutete schon den frühen Höhepunkt des Konzerts an musikalischem Wohlklang wie auch an Qualität der Präsentation. Mit dem Einsatz von Cello (Anika Koller, Jahrgangsstufe 12) und Kontrabass (Christoph Schindler) bekam die Musik eine überraschende Fülle, ja Wucht, und stellte damit einen ebenbürtigen Gegenpol zur Altblockflöte dar. Beim Solo-Spiel mit diesem Instrument brillierte die Abiturientin in spe Anna-Lena Hess. Fast mühelos schien es, wie sie ihren langen Part beherrschte. Das Orchester war um eine ganze Reihe von weiteren Streichern verstärkt, um Schülerinnen der Jahrgangsstufen 6 und 7 und auch um die Lehrerin Manuel Kühnel und den Schülervater Stefan Hiby am Cembalo. Bei Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809 – 1847) „Weihnachtshymne“ kam noch der Lehrer Achim Bohnert hinzu. Mit bewunderndem Applaus für die beiden Stücke mit dem großen Orchester dankten die Zuhörer den Musikern für ihre Darbietung.

Die Tarantella ist ihrem Ursprung nach ein italienischer Volkstanz, den man tanzen sollte, wenn man von der giftigen Tarantel gestochen worden ist. Die Tarantella von William Henry Squire (1871 – 1963) hatte mit der italienischen Volksmusik vor allem noch den Rhythmus gemeinsam. Musikalisch war das Stück ungleich anspruchsvoller, und diese Herausforderung bestanden Maria Hesselbach am Flügel und Anika Koller mit dem Cello ausgezeichnet. Kraftvoll im ersten Teil, sehnsuchtsvoll schmelzend im zweiten Teil und wieder wuchtig im dritten Teil, so interpretierten die beiden begabten jungen Damen dieses höchst gefällige Stück Musik, bei dem man am liebsten mitgesungen hätte.

Das Konzert für zwei Violinen in d-Moll von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) bezeichnete Schmid-Schindler als ihr Lieblingsstück, bei dem sie bei Schulkonzerten bisher immer mitspielen musste, weil sie nur einen Schüler mit adäquaten Spielfähigkeiten hatte. Diesmal aber konnte sie den Auftritt Ella Zirk (9. Jahrgangsstufe) und Andreas Hiby (11. Jahrgangsstufe) überlassen. Die zwei wurden von Stefan Hiby am Flügel begleitet. Die jungen Musiker zeigten, dass sie auch mit schwierigsten Achtel- und Sechzehntel-Tonfolgen fertig wurden. Auch sie erhielten wie alle anderen vor ihnen den verdienten Applaus.

Mit Antonio Vivaldis (1678 – 1741) dreisätzigem Concerto grosso in d-Moll klang das Konzert am Martin-Pollich-Gymnasium aus. Hier war noch einmal das ganze Streichorchester vereint. Dieser Ausklang wurde seinem Titel „grosso“ (= groß) voll gerecht. Drei Solisten mit ihren Geigen meisterten den ersten Satz mit seinem Allegro im Wechsel mit dem markanten Adagio und einem nochmaligen Allegro, das ebenfalls markante Largo (zweiter Satz) und das schnelle Allegro als dritten Satz. Den Charakter dieses Musikstücks mit seinem oftmals schweren Moll arbeitete das ganze Orchester eindringlich heraus, mit klaren rhythmischen Akzenten durch Bass und Cello, und mit schön gestalteten Phrasierungsbögen.

Zum Abschluss spielte das Orchester und sangen die Besucher das „Magnificat“ von Jacques Berthier als mehrstimmigen Kanon. Das klappte erstaunlich gut, obwohl das Orchester die Melodie nur einmal vorgespielt hatte. Zum süßen Ausklang verteilte Frau Schmid-Schindler an alle Musikanten kleine Beutel mit selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen und setzte damit noch einmal einen fröhlichen Akzent.

 

Bericht und Bild: Fred Rautenberg