Martin-Pollich-Gymnasium Mellrichstadt

Naturwissenschaftlich-technologisches und Musisches Gymnasium

 

In Frieden, Freiheit und Demokratie zu leben ist ein nicht zu unterschätzendes Gut. – Dies konnten die SchülerInnen der 10. Jahrgangsstufe des Martin-Pollich-Gymnasiums hautnah erfahren. An ihrem Wandertag unternahmen 48 Jugendliche mit ihren vier Klassenlehrern eine Exkursion zum Point Alpha, einem der heißesten Orte des Kalten Krieges, zwischen dem thüringischen Geisa und dem hessischen Rasdorf gelegen.

In einer 90-minütigen Führung wurde ihnen der Ausbau der Grenze zwischen DDR und BRD von einer einfachen Straßensperre aus Holz über Stacheldraht bis hin zu einer unmenschlichen Grenzanlage u.a. mit Selbstschuss- und Signalanlagen, Minenfeld und Kfz-Sperrgraben vorgestellt. Sprachlos machte die Jugendlichen auch der Umgang des SED-Regimes mit „Grenzverletzern“ (Schießbefehl), mit Familien, deren Anwesen zu nah am Grenzzaun lag („Geschleifte Höfe“) und mit politisch unzuverlässigen Menschen im Sperrgebiet (z.B. „Aktion Ungeziefer“), was ihnen anhand von Einzelschicksalen beschrieben wurde.

Nach einem kurzen Fußmarsch über den original erhaltenen Kolonnenweg früherer DDR-Grenzsoldaten erreichte die Schülergruppe das Gelände des ehemaligen US-Camps Point Alpha. Aufgrund der authentischen militärischen Geräte und Fahrzeuge aus der Hinterlassenschaft der US-Streitkräfte und nicht zuletzt aufgrund der sich direkt gegenüberstehenden Beobachtungstürme der feindlichen Soldaten westlich und östlich des Grenzzauns wurde deutlich, welch reale Gefahr für einen heißen Krieg an diesem Ort herrschte. Dass diese Situation nach vier Jahrzehnten friedlich mit dem Mauerfall, der Grenzöffnung und der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten endete, grenzt an ein politisches Wunder und ist damals wie heute ein Grund zur Freude.

Bericht und Foto: Carola Stelzer